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Eichstätt: Eichstätter Wohnzimmer

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Veröffentlicht am 11:14 29.03.2009 von gopatt



Geistliche Residenzen in Süddeutschland gibt es viele: Bamberg, Würzburg Salzburg oder Freising. Doch ist Eichstätt vielleicht die anmutigste darunter. Es hat keine Residenz wie Würzburg, aber eine fülle Barocker Bauten, es hat keinen barocken Dom wie Salzburg, aber viele sehenswerte Kirchen, es besitzt kein markgräfliches Theater wie Bayreuth, aber es hat einen Platz, der so festlich wirkt wie eine Opern-Ouvertüre.
Dieser Platz, der Residenzplatz, liegt auf der Nordseite des Eichstätter Doms St. Willibald. Voll Geborgenheit und mit einem Blick überschaubar, doch locker gefügt und großzügig in der Anlage - ein Festsaal unter freiem Himmel. Eingerahmt von Kavaliershäusern, die aussehen, wie die Palais am Graben in Wien. Die eigentliche Mitte, die Bühne dieser Platzanlage, ist die Front der bischöflichen Residenz. Breit und mächtig nimmt sie die gesamte nördliche Seite des Platzes ein. Gabriel Gabrieli, der Eichstätter Hofbaumeister, setzte klare Proportionen, nichts wirkt überladen, aber es fehlt auch jede Strenge. Der Blick nach Osten fällt auf ein Halbrund von niedrigen Bäumen, wie wir sie eigentlich in barocken Gärten erwarten würden. Vor dieser Kulisse erhebt sich, wie eine vergessene Dekoration, eine makellose antike Säule - der Marienbrunnen. Verspielte Putten spenden Wasser, das Gezwitscher der Vögel wird vom plätschernden Wasser untermalt.
Von dem Türmen des Domes rufen die Glocken zur Morgenmesse, die ersten frühen Kirchgänger eilen über den Platz, der in der frühen Sonne eines Sonntags noch still ist.
Man spürt es nicht nur vor diesem Brunnen, auf diesem Platz, dass Eichstätt eine geistliche Residenzstadt ist, ebenso wie Bamberg, Würzburg oder Salzburg. Der geistliche Flair hängt wie Weihrauch zwischen den festlichen Fassaden der Domherrenhöfe und weht auch noch hinaus in den Garten der Sommerresidenz.
Eichstätt, die 1000jährige Stadt, eingezwängt zwischen Machtbereichen, konnte mit den anderen Residenzen nie recht mithalten. Doch findet es seinen eigenen Anspruch, setzt Anmut gegen schiere Größe und entwickelte sich so zur Stadt des heiteren Rokoko, die statt Pathos, statt monumentaler Gebärde die Feinheit der Proportionen, die Wohnlichkeit entdeckt. Und die Landschaft, das Altmühltal, setzt dazu den passenden Rahmen.

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