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Top Reiseberichte Bolivien
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Bolivien - Reiseführer
Sucre gilt als die schönste Kolonialstadt Boliviens, wenn nicht ganz Südamerikas. Die im bolivianischen Bergland in 2800 m Höhe gelegene Stadt wurde 1538 auf Befehl von Francisco Pizzarro als Villa de la Plata – „Silberstadt“ – gegründet und hatte 1770 bereits 45.000 Einwohner. Nach der Gründung der Republik Bolivien 1825 erhielt sie zu Ehren des Generals Antonio de Sucre, des wichtigsten Mitstreiters Simon Bolívars, ihren jetzigen Namen. Heute zählt die Stadt rund 215.000 Einwohner und ist Sitz einer der ältesten Universitäten Südamerikas. Ihre Altstadt mit den zahlreichen bedeutenden kolonialzeitlichen Bauten wurde 1990 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Sucre ist seit 1839 die Hauptstadt von Bolivien, zumindest nominell. De facto hat nur noch der Oberste Gerichtshof Boliviens hier seinen Sitz, die Regierung, das Parlament und die anderen Verfassungsorgane sind nach und nach in das 450 km entfernte La Paz abgewandert, das seit 1898 Regierungssitz ist und die Hauptstadtfunktionen wahrnimmt.
Neben der Altstadt von Sucre mit bedeutenden erhalten gebliebenen Bauwerken aus der Kolonialzeit, darunter die Kathedrale (16. bis frühes 18. Jahrhundert), die Klosterkirche San Francisco und die Kirche La Merced, beide aus dem 16. Jahrhundert, wurden noch weitere Besonderheiten Boliviens ins UNESCO Welterbe aufgenommen. Dazu zählen auch die Stadt und die Silberminen von Potosí.
Die legendäre Stadt am Fuß des 4829 m hohen Cerro Potosí galt im 17. Jahrhundert als eine der reichsten Städte der Erde – fast zwei Drittel des damals weltweit geförderten Silbers stammte aus den Minen der Potosí-Region. In Potosí sind zahlreiche Kirchen aus der Kolonialzeit erhalten, die durch indianische Einflüsse geprägt sind, u. a. Copacabana (17. Jahrhundert), San Lorenzo (1548, heutiger Bau 18. Jahrhundert) und San Francisco (1726). Die königliche Münze Casa Real de la Moneda (1572, heutiger Bau 1759 bis 1773) ist heute Museum.
Ebenfalls zum UNESCO Welterbe zählen die Jesuitenmissionen der Chiquitos. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gründeten die Jesuiten im Savannengebiet der Llanos de Chiquitos östlich von Santa Cruz de la Sierra etwa ein Dutzend Missionsstationen, die so genannten Reduktionen. Auch Relikte aus vorkolumbianischer Zeit hat Bolivien zu bieten. Beispielsweise die Festung Samaipata nahe der Stadt Samaipata, auf etwa 1900 m Höhe in den östlichen Ausläufern der Anden gelegen. Die Ruinenstätte „El Fuerte de Samaipata“ ist ein etwa 40 Hektar großer Komplex, der eine ehemalige Zeremonialanlage der Inka mit Überresten früherer Siedlungen von Hochland- und östlichen Tieflandkulturen birgt. Oder auch die Ruinen von Tiahuanaco. Die 20 Kilometer südöstlich des Titicacasees gelegene Stadtanlage war zwischen 300 und 800 Hauptstadt und religiöses Zentrum der Tiahuanaco-Kultur, einer der am höchsten entwickelten Zivilisationen der Vorinkazeit.
UNESCO Weltnaturerbe ist der Nationalpark Noel Kempff Mercado. Das 7000 km² große, schwer zugängliche Schutzgebiet im Amazonastiefland nahe der Grenze zu Brasilien gilt als eines der beeindruckendsten Naturreservate Südamerikas und ist die Heimat zahlreicher gefährdeter Tierarten.
Sehenswert ist die Stadt La Paz, die mit 3632 m ü. M. der höchstgelegene Regierungssitz der Welt ist, vor der atemberaubenden Silhouette des 6402 m hohen, schneebedeckten Monte Illimani. Besichtigen sollte man hier die Kathedrale, die Basilika Menor de San Francisco, im barocken Stil, und bei Interesse eine Auswahl der zahlreichen Museen. Die Prachtstraße Avenida 16 de Julio lädt zum bummeln ein. Sehenswert ist auch Cochabamba, die 2558 m hoch gelegenen „Gartenstadt“ mit lebendiger Kultur und Folklore. Wer sich für die indianische Kultur interessiert, sollte das Archäologische Museum besuchen mit einer interessanten Sammlung von alten indianischen Schriftzeichen.
Für Ausflüge sehr beliebt sind der Titicacasee, das „Mondtal“ Valle de la Luna mit seinen faszinierenden Felsformationen, der Skiurlaubsort Chacaltaya und die Yungas-Täler. Wer den Dschungel hautnah erleben möchte, ist in den Departamentos Pando und Beni mit befahrbaren Flüssen und Möglichkeiten, Ausflüge durch den tropischen Regenwald mit einheimischen Führern zu unternehmen und die Tier- und Pflanzenwelt des Urwalds zu erleben, gut aufgehoben.
Sportlich Aktive können sich beim Bergsteigen oder beim Golfspielen betätigen. In den Flüssen kommen Angler beim Forellenangeln auf ihre Kosten, und in den Monaten April und Mai sowie September und Oktober kann man Ski fahren. Für Liebhaber von Superlativen bietet sich die höchstgelegene Skipiste der Welt auf dem Monte Chacaltaya.
Geogarphie
Der Andenstaat Bolivien – der Name geht auf den Unabhängigkeitskämpfer und ersten Präsidenten Simon Bolívar zurück – hat mit rund 1,1 Millionen Quadratkilometern die doppelte Größe Frankreichs. Seine Anrainerstaaten sind Argentinien im Süden, Chile und Peru im Westen sowie Brasilien im Norden und Osten. Mit seinem Nachbarn Paraguay im Südosten teilt Bolivien das Los, keinen direkten Zugang zum Meer zu haben.
Der Kernraum des Landes ist das in über 3500 m Höhe gelegene Andenhochland, das etwa ein Drittel der Landesfläche umfasst. Die Anden erreichen hier ihre größte Breite. Ihre beiden Hauptketten, die Westkordillere mit dem 6520 m hohen Vulkangipfel Nevado Sajama und die Ostkordillere mit dem Illimani, mit 6438 m ü. M. der höchste Berg Boliviens, umrahmen den Altiplano, das ausgedehnte, bis zu 200 Kilometer breite Bolivianische Hochland. Es umfasst eine Reihe von mäßig hohen Rücken oder Ketten begrenzter, vorwiegend abflussloser Becken. Die baumlose Hochlandsteppe des Altiplano, die Puna, geht nach Süden hin allmählich in eine Hochlandwüste mit Salztonebenen über. In ihnen liegt der Salar de Uyuni, mit rund 12.000 km² der größte Salzsee der Erde.
An die Ostkordillere schließen sich die Yungas an, das durch die Quellflüsse des Amazonas- und La-Plata-Systems tief zertalte bolivianische Bergland an der breiten Ostabdachung der Anden. Der Oriente, das weitgehend ebene, zwischen 300 und 400 Meter ü. M. gelegene Tiefland im Osten, nimmt zwei Drittel des Landes ein. Der größere nördliche Teil liegt im Einzugsgebiet des Amazonas, der südliche Teil im Einzugsgebiet des Paraná ist Teil des Gran Chaco.
Die größten Flüsse Boliviens sind der Rio Grande und der Rio Beni, Quellflüsse des Amazonas, sowie der Rio Pilcomayo, ein Nebenfluss des Rio Paraguay. Sie entspringen in der Ostkordillere und sind im Tiefland schiffbar. Der größte See Boliviens, den sich das Land jedoch mit Peru teilen muss, ist der Titicacasee.
Flora und Fauna
So vielfältig wie die geografischen Naturräume, so mannigfaltig sind auch die Flora und Fauna Boliviens. Der waldlose Altiplano und die angrenzenden unteren Regionen der Kordilleren bis in Höhen von 4800 Metern sind von Horstgräsern, Zwergsträuchern und Polsterpflanzen bewachsen. Im etwas feuchteren Norden um den Titicacasee kommen Süßgräser hinzu, im trockenen Süden Sukkulenten. Hier leben Andenkondor, Andenfuchs und Andenhirsch, Guanakos, Chinchillas und der selten gewordene Puma.
Die niederschlagsreiche Ostseite der Anden liegt im Regenstau des Südostpassats und ist bis in 3200 Meter stark bewaldet. Nach Osten gehen die Berg- und Nebelwälder der Yungas in den immerfeuchten tropischen Regenwald der nördlichen Tiefebene über. Tier- und Pflanzenwelt sind hier von einer unüberschaubaren Vielfalt. Die Fauna reicht von Insekten wie Blattschneideameisen bis zu Riesenschlangen wie der Anakonda, von den urtümlichen Faultieren bis hin zum „Herrn des Urwalds“, dem Jaguar. Nach Süden gehen die Regenwälder in Savannen mit Galeriewäldern und schließlich in die Dornbuschsavannen des Gran Chaco über.
Klima
Aufgrund der äquatorialen Lage Boliviens weisen die Temperaturen im Jahresverlauf nur geringe Schwankungen auf, sind aber von der Höhenlage abhängig. Von der untersten Höhenstufe, der feucht-warmen Tierra caliente im Tiefland des Amazonasbeckens, wo sie im Jahresmittel zwischen 22 und 27 Grad Celsius liegen, nehmen die Temperaturen über die Tierra templada der Yungas und die Tierra fría des Altiplano auf null bis drei Grad in der Tierra nevada, der Gipfelregion der Anden, ab. Hier herrscht ein subpolares Hochgebirgsklima vor, die Schneegrenze liegt bei etwa 5300 m über dem Meeresspiegel.
Während in der Tierra caliente die tageszeitlichen Temperaturschwankungen nur gering sind, ist der Tagesgang in der Tierra fría beträchtlich. Hier betragen die Tagestemperaturen bis 20 Grad, nachts fällt die Quecksilbersäule meist unter den Gefrierpunkt.
Die Niederschläge nehmen von Süden nach Norden und von Westen nach Osten zu. In den Salztonebenen im Süden des Altiplano sind es etwa 50 mm pro Jahr, in La Paz im Norden knapp 600 mm pro Jahr. Im östlichen Tiefland liegen die jährlichen Niederschläge im Gran Chaco zum Teil unter 500 mm, im Amazonasbecken dagegen bei mehr als 2000 Millimeter.
Menschen und Traditionen
Etwa 55 % der Bolivianer sind Indianer; das Land hat damit den höchsten indigenen Bevölkerungsanteil Südamerikas. Die überwiegende Mehrheit der Indígenas sind Hochlandindianer: 30 % Ketschua im Süden und 25 % Aimará im Norden des Altiplano. Die Zahl der Guaraní, der Tieflandindianer im Amazonasbecken, dürfte einige Zehntausend nicht überschreiten. Neben etwa 3% Schwarzen stellen die Weißen mit 12 % und die Mestizen, die Cholos, mit 30 % den Rest der Bevölkerung von insgesamt rund 9 Millionen.
Nur etwa die Hälfte der Weißen sind Kreolen, Nachkommen der Spanier; sie bilden die Oberschicht Boliviens. Die Übrigen sind zumeist Mestizen, die sich aufgrund ihrer sozioökonomischen Stellung jedoch als Weiße bezeichnen.
Nur etwa die Hälfte der Bevölkerung spricht Spanisch, viele Indios beherrschen nur Ketschua oder Aimará, die als Amtssprachen anerkannt sind.
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